12. Juni, Welttag gegen Kinderarbeit

Kinder – Opfer des Syrien-Krieges – arbeiten, um zu überleben

In Syrien und seinen Nachbarländern, die Millionen von Flüchtlingen aufnehmen, zwingt der Konflikt sehr viele Kinder zur Arbeit. Die jüngsten sind erst fünf oder sechs Jahre alt und üben schwierige, manchmal auch gefährliche Arbeiten aus, um ihr Überleben und das ihrer Familien zu sichern.


- Entdecken Sie unsere Reportage über Flüchtlingskinder in Libanon und Jordanien

- Erfahren Sie mehr über unsere Unterstützung für syrische Kinder

- Lesen Sie unsere Studie zur Kinderarbeit bei Flüchtlingen infolge des Syrien-Konflikts

 

Reportage: Zur Arbeit gezwungene Flüchtlingskinder

Unser Kampf gegen Kinderarbeit

Unsere Spezialisten schützen Kinder, die in der Syrien-Krise Opfer von Ausbeutung werden

Seit Beginn der Syrien-Krise schützen wir Flüchtlingskinder, indem sie an psychosozialen und pädagogischen Aktivitäten teilnehmen können, und verhelfen ihren Familien mit der Verteilung von Hilfsgütern zu einem angemesseneren Leben.

 

In Syrien: Im Gouvernement Rif Dimaschq unterstützen wir mehr als 3500 vertriebene Syrer, irakische Flüchtlinge und Gastgemeinschaften mit Hilfe unserer lokalen Partner. Wir haben psychosoziale Aktivitäten für Kinder organisiert und an mehr als 250 Familien Nahrungsmittel, Hygiene-Sets, Kleider, Medikamente und Geld für ihre Unterkunft und Grundversorgung verteilt.

 

In Jordanien: Aufgrund ihrer Kriegserfahrungen mit seinen Grausamkeiten, der Flucht und den Integrationsschwierigkeiten im neuen Land leiden die Kinder unter einem geringen Selbstwertgefühl und Ängsten. Um ihr Wohlbefinden zu verbessern und ihre Resilienz zu stärken, haben wir 2015 Spiele für mehr als 13'000 Kinder entwickelt. Nach Abschluss der psychosozialen Aktivitäten konnten fast 80 Prozent der Teilnehmenden mit ihren Emotionen umgehen und erklärten, sich besser zu fühlen.

 

Im Libanon: 2015 boten wir psychologische Unterstützung für mehr als 19'000 Kinder und schulten rund 3900 Personen, damit sie die Kinder bestmöglich betreuen können. Zur Stärkung des Kinderschutzes innerhalb der Gemeinschaften bildeten wir 38 Komitees und sensibilisierten 9000 Jugendliche und Erwachsene zur Risiken einer Frühehe und der Kinderarbeit.

 

Familienoberhaupt mit 14 Jahren

Malek, Flüchtlingskind in Jordanien

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Lesen Sie die neueste Ausgabe von Courage, die den Kindern der Syrien-Krise gewidmet ist

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 Neue Studie über Kinderarbeit in der Syrienkrise

«Weil wir überleben wollen», Kinderarbeit bei Flüchtlingen infolge des Syrien-Konflikts

Selbst wenn es ihnen gelingt, dem Krieg zu entfliehen, sind Kinder nicht vor Gefahren sicher. Die eben von Terre des hommes veröffentlichte Studie «Weil wir überleben wollen» stellt einen starken Anstieg der wirtschaftlichen Ausbeutung von Kindern in Syrien und seinen Nachbarländern fest. Die Kinder müssen in landwirtschaftlichen Betrieben, auf der Strasse, in Fabriken, in Zelten oder in anderen engen Räumen arbeiten, wo sie inzwischen auch wohnen. Viele, hauptsächlich Jungen, werden auch für den Kampf in terroristischen Organisationen rekrutiert.

 

In Syrien Körperteile einsammeln

«Der Konflikt und die Vertreibungen zwingen immer mehr Kinder dazu, unter zunehmend gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen zu arbeiten. Dies beeinträchtigt die Kinder körperlich, seelisch und sozial und behindert ihr Recht auf Bildung.» (Auszug aus dem Bericht, Seite 6)

Die von Terre des hommes in Griechenland befragten Kinder erzählten, sie hätten in Syrien 16 bis 20 Stunden am Tag gearbeitet. Einige berichteten gar von einer makabren Arbeit: «Wir kümmerten uns um getötete Menschen; zum Beispiel mussten wir ihre Körperteile einsammeln und begraben.»

Laut UNICEF werden immer mehr Kinder in den bewaffneten Konflikt eingezogen, mit einer Tendenz, immer jüngere Kinder  – ab 7 Jahren – und auch Mädchen zu rekrutieren. 2015 meldete der Generalsekretär der Vereinten Nationen 271 Fälle von Jungen und 7 Fälle von Mädchen, die von bewaffneten Gruppen rekrutiert und ausgebeutet wurden. Ein Fünftel war jünger als 15 Jahre.

 

Gründe, die Kinder zur Arbeit treiben

Syrische Flüchtlingskinder tragen eine schwere Last, weil sie oft Geld verdienen müssen, damit sich ihre Familie überhaupt ernähren kann.

Die wichtigsten Faktoren sind die allgemeinen Kriegsfolgen, die sich verschlechternde Wirtschaftslage (darunter die Unmöglichkeit für die Eltern, eine legale Arbeit anzunehmen), der fehlende Zugang zur Bildung, der schlechte Gesundheitszustand eines Familienmitglieds und die unzureichende humanitäre Hilfe. Seit die Vereinten Nationen ihre Unterstützung im Winter 2014/2015 wegen fehlender Finanzierungen reduziert haben, müssen immer mehr Kinder arbeiten, insbesondere auch sehr junge Kinder.

 

Wir rufen alle Staaten dazu auf, notwendige Massnahmen zur Bekämpfung der Arbeit von Flüchtlingskindern zu ergreifen.

Kinder haben Rechte, egal wo, ob sie sich in ihrem Heimatland oder auf der Flucht befinden. Jeder Staat hat die Pflicht, das Überleben der Kinder, ihren Zugang zu Bildung und ihre Gesundheitsversorgung sicherzustellen.

All diese Massnahmen müssen Symptome von Not, Traumata und posttraumatischem Stress berücksichtigen und den Zugang zur Grundversorgung gewährleisten.