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20.11.2021 - Nachrichten

Weltkongress zur Kinderjustiz: "Unsere Schwierigkeiten werden nicht genug anerkannt".

Nach einem einwöchigen Weltkongress über den Zugang zur Justiz für Jugendliche besiegeln die Teilnehmenden ihre Verpflichtung, die Nichtdiskriminierung und Inklusivität von Jugendlichen zu respektieren. Die Justiz muss jede Behandlung an die Situation des Kindes anpassen und Massnahmen ohne Freiheitsentzug fördern. Die von Terre des hommes mitorganisierte Veranstaltung stellte verschiedene Verstösse gegen die Kinderrechtskonvention fest, die morgen ihr 32-jähriges Bestehen feiert.

Am Ende des Kongresses wurde eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Sie wird in über 40 Sprachen übersetzt und besiegelt die Verpflichtung von juristischen und politischen Akteuren, öffentlichen Einrichtungen und Staaten, Hand in Hand mit jungen Menschen zu arbeiten, um einen gleichen, nicht diskriminierenden und inklusiven Zugang zum Recht für alle Kinder der Welt zu gewährleisten. Obwohl das Prinzip der Nichtdiskriminierung ein Grundpfeiler der Kinderrechtskonvention ist, werden junge Menschen immer noch regelmässig von den Justizsystemen benachteiligt. "In vielen Ländern des Nahen Ostens werden Kinder zu Gefängnisstrafen verurteilt, ohne überhaupt einen Anwalt gesehen zu haben. In vielen Fällen gibt es keinen fairen Prozess, keine Verteidigung und keine eindeutigen Beweise. Kindern kann keine Gerechtigkeit widerfahren, wenn sie keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand haben", sagt Marta Gil, Koordinatorin des Tdh-Programms Zugang zur Justiz für die MENA-Region.

Die Behandlung muss an die Bedürfnisse des Kindes, dessen Situation und dessen Gesundheitszustand angepasst werden. Psychosoziale Unterstützung muss bereitgestellt werden, um dem Kind und dessen Familie bei der Bewältigung der Ereignisse zu helfen. Diversion, restaurative Justiz und Massnahmen ohne Freiheitsentzug sollten gefördert werden: Wenn man der Rehabilitation und Wiedereingliederung von Jugendlichen den Vorzug vor einer Verurteilung gibt, können Rückfälle reduziert werden.

Kinder, die mit dem Gesetz in Berührung kommen, sind mit vielfältigen Formen von Widrigkeiten konfrontiert, die oftmals kumuliert auftreten und delinquentes Verhalten begünstigen: häusliche Gewalt, prekäre Lebensumstände, Diskriminierung, Ausschluss von der Bildung. "Diese Schwierigkeiten und das Leid, das sie verursachen, werden nicht ausreichend anerkannt. Wir müssen mit den Jugendlichen und ihren Familien zusammenarbeiten, um frühzeitig auf solche Situationen zu reagieren und Lösungen zu finden, in die wir investieren können. Dies gewährleistet eine umfassende Unterstützung, während wir diese ungerechten Systeme umgestalten, um sie in den Dienst unserer Gemeinschaften zu stellen", berichtet Iliana Pujols, Mitglied der Beratungsgruppe, die aus jungen Menschen unter 25 Jahren besteht und während der Gestaltung des Kongresses und der verschiedenen Konferenzen aktiv war. 

An der von Terre des hommes mitorganisierten Veranstaltung nahmen 4800 Teilnehmende aller Altersgruppen aus rund 100 verschiedenen Ländern teil.

Die Abschlusserklärung finden Sie hier: www.tdh.ch/de/mediathek/dokumente/global-declaration-justice-children