Junge Menschen, welche in Kontakt mit dem Justizsystem standen,
haben am Weltkongress zum Jugendstrafrecht teilgenommen.

„Kinder und Jugendliche werden oft unsere ‚Zukunft’ genannt, die ‚Stimmen von morgen’. Wir sind damit nicht einverstanden. Wir glauben, dass wir die Stimmen von heute sind, wir sind die Stimmen von jetzt.“

Eine Gruppe von Jugendlichen hat beim Weltkongress zum Jugendstrafrecht gesprochen.

Im letzten Mai hat Terre des hommes den Weltkongress zum Jugendstrafrecht in Paris mitorganisiert. Eine Gruppe junger Menschen aus verschiedenen Ländern in Europa, welche in Kontakt mit dem Justizsystem standen, haben am Kongress teilgenommen und vor der Versammlung eine Präsentation gehalten. Hier ist ein Ausschnitt aus ihrer Rede:

“Wir möchten Ihnen danken, dass Sie hier sein können. Aber wir möchten Sie auch daran erinnern, dass dies keine Ausnahme sein sollte; unseren Meinungen zuzuhören sollte zur Gewohnheit werden. Wir kennen unsere Rechte und wir haben etwas zu sagen. Jeder von uns ist während den letzten drei Tagen hierher gekommen, um zuzuhören, aber auch um etwas mitzuteilen. Wir wollten unsere Geschichten erzählen, nicht um Ihr Mitleid zu wecken, sondern weil wir Experten zu diesem Thema sind. Unsere Erfahrungen und unsere Einblicke sollen der Anfang für Ihre Worte und Taten sein.

Wir sind als Gruppe von jungen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und aus verschieden Kulturen zusammengekommen, um unsere Erfahrungen mit dem Justizsystem mit Ihnen zu teilen. Trotz der vielen Unterschiede haben wir viele Gemeinsamkeiten gefunden.

Ein erwachsener Teilnehmer hat gesagt, dass er sich ursprünglich für eine Teilnahme von Kindern und Jugendlichen eingesetzt hat. Nachdem er uns aber zugehört hat, findet er, eine solche Teilnahme müsse verbindlich gemacht werden. Wir hoffen, hier bald einen Mentalitätswandel sehen zu können.

Der Anlass hat viele neue, interessante und spannende Themen abgedeckt. Wir glauben aber, dass unsere Anwesenheit nicht genügt hat. Es bräuchte noch mehr Gelegenheiten, bei denen auch wir uns an die Tische setzen, um uns einzubringen, anstatt nur ruhig im Publikum zu sitzen.

Kinder und junge Menschen werden oft die ‚Zukunft’ und die ‚Stimmen von morgen’ genannt. Wir sind damit nicht einverstanden. Wir glauben, dass wir die Stimmen von heute sind, wir sind die Stimmen von jetzt.

Abschliessend möchten wir sagen, wie wichtig es ist, dass Kinder, die mit dem Justizsystem Bekanntschaft gemacht haben, nicht länger nur verständnisvoll angesehen, sondern als Menschen mit Erfahrung respektiert, unterstützt und zusammengebracht werden. Wir hoffen, dass dies erst der Anfang einer neuen Zusammenarbeit ist.

Für uns ist klar, dass jetzt angesichts des 30. Weltkongresses zum Jugendstrafrecht der Moment gekommen ist, von der Theorie zur Praxis zu wechseln. Wenn wir schlechte Erfahrungen von Kindern von morgen ändern möchten, müssen wir heute handeln. Der Titel des diesjährigen Weltkongresses ist ‚Gerechtigkeit FÜR Kinder’. Vielleicht heisst der Kongress nächstes Mal: ‚Gerechtigkeit MIT Kindern’.”

 

Der Originaltext wurde von Joao Bateka, Fabio Caillaud, Mamédi Diarra, Sandra Kissel, Georgiana Militaru, Morven Petrie und Angela Vasile geschrieben.

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