COVID-19
Die Pandemie bedroht gefährdete Familien.

Karim, 11 Jahre alt,
hat seine Kinderträume wiedergefunden

Im grössten Flüchtlingslager der Welt in Bangladesch hat Karim seine Träume und ein bisschen Kindheit wiedergefunden - dank den Räumen für Kinder, die Terre des hommes (Tdh) in Cox’s Bazar eingerichtet hat.

Auf Karims Zeichnung sind apfelgrüne Bäume zu sehen, die hinter einem kleinen orangen Haus stehen. „Hier im Lager gibt es keine Pflanzen. Nur Schlamm.“ Schwer vorstellbar, dass die kahlen Hügel des Lagers von Cox’s Bazar in Bangladesch einst von Wäldern bedeckt waren, bevor hier die Unterkünfte von Hunderttausenden Rohingya – auf der Flucht vor der Gewalt, deren Zielscheibe sie in Myanmar sind – wie Pilze aus dem Boden schossen. „In meiner Heimat hatten wir ein Haus mit Bäumen“, erzählt der Elfjährige.

Im Schutz eines der in Cox’s Bazar für Kinder eingerichteten Räume von Tdh kann der Junge die Bäume, die ihm so sehr fehlen, in seiner Fantasie wieder zum Leben erwecken. Eine Art, andere Erinnerungen etwas zu verdrängen, wie die Schreckensbilder, die das Kind von seiner Flucht mitgebracht hat. «Am Anfang hatte ich immer grosse Angst, dass die Leute, die uns in Myanmar Leid hinzugefügt haben, uns abholen kommen.» Seine Mutter beobachtet ihn schweigend und sagt dann: „Karim war sehr gestresst und krank, als wir im Lager ankamen. Seit er die Aktivitäten von Terre des hommes besuchen kann, fühlt er sich besser. Für mich ist es auch beruhigend zu wissen, dass es einen sicheren Ort gibt, wo er betreut wird. Das Lager kann für Kinder gefährlich sein.“

Die Familie hat auf ihrer Flucht vor einigen Monaten fast alles verloren. «Sogar die beiden Hühner, die wir mitnehmen konnten, sind unterwegs gestorben», erzählt die Mutter, für die der grösste Verlust aber die Bildung ihrer Kinder ist.

„Karim ist wieder sehr neugierig.“

Rohingya haben in Myanmar keinen Zugang zur öffentlichen Schule, Karims Familie hatte aber die Mittel, ihn auf eine Privatschule zu schicken. „Karim war sehr fleissig und hatte gute Noten, aber hier gibt es keine Schule für Flüchtlinge.“ Der Junge kompensiert dies mit den Aktivitäten im Kinderzentrum. «Er ist wieder sehr neugierig geworden, erzählt seinen jüngeren Geschwistern gerne, was er lernt, und ist ein begeisterter Leser.» Während es Karim allmählich gelingt, seine traumatischen Erlebnisse zu überwinden, hat er auch einen Raum gefunden, um seine Träume spriessen zu lassen: „Ich möchte einmal Arzt und Ingenieur werden. Ja, beides. Und vielleicht auch Lehrer!“

Unsere sechs Räume für Kinder bieten im Lager von Kutupalong jeden Tag Aktivitäten für 1500 von ihnen. 1200 Freiwillige, Angehörige der Rohingya-Gemeinschaft wurden in bewährten Praktiken des Kinderschutzes geschult.

 

* Zum Schutz der Privatsphäre geänderte Namen