Nothilfe Afghanistan
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02.12.2020 - Nachrichten

Digitale Gesundheit als Lebensretter

Ein digitales Tool zu kreieren, das das Gesundheitspersonal durch die Beratungen mit Kindern führt das ist die Herausforderung, die Terre des hommes (Tdh) 2010 in Burkina Faso annahm. Nach der Kreierung von IeDA, geht die Suche nach innovativen Lösungen weiter: Dank künstlicher Intelligenz kann das Tool nun auch Epidemien vorhersagen. Während der Covid-19-Pandemie hilft eine zusätzliche Funktion, PatientInnen mit Symptomen von anderen zu trennen.

Burkina Faso, 2009: 1 von 5 Kindern stirbt vor seinem fünften Geburtstag. In abgelegenen Gebieten stehen nur wenige qualifizierte Gesundheitsfachkräfte zur Verfügung und die Konsultationen werden auf dem Papier durchgeführt. Klinische Protokolle zur Diagnose von Kindern werden nicht richtig befolgt und ein schlecht behandelter Husten, Fieber oder Durchfall kann zum Tod führen.

Tdh hat eine einfache, aber revolutionäre Idee lanciert: Wie wäre es, wenn das IMCI*-Protokoll zur Erkennung und Behandlung von Kinderkrankheiten digitalisiert würde, anstatt Papierberichte anzuhäufen? Und so wurde IeDA kreiert. Wir stellten den Gesundheitszentren das digitale Tablet zur Verfügung, um sie bei der Konsultation von Kindern zu begleiten. Auch werden sie dadurch in der Erkennung von Krankheiten und der geeigneten, lebensrettenden Behandlung geschult.

Warum ist die digitale Gesundheit hilfreich?

IeDA umfasst einen Fragebogen, in dem jeder Schritt des IMCI-Protokolls befolgt werden muss - die Qualität der Diagnose wird dadurch verbessert. Dayassé Martin, unser Gesundheitsprogrammbeauftragter für IeDA in den Distrikten Ouahigouya und Thiou, sagt: «Auf Papier wurde der IMCI-Ansatz praktisch nicht angewendet. Das Gesundheitspersonal hielt sich in weniger als 5% der Fälle an das Protokoll. Aber jetzt, mit IeDA, haben wir eine Einhaltungsrate von mehr als 85%, ein Beweis dafür, dass sie sich das Instrument zu eigen gemacht haben.»

Was mit der Installation von IeDA in einigen wenigen Kliniken begann, hat sich exponentiell ausgeweitet. Die App wird heute in 1300 Gesundheitszentren gebraucht, mehr als 70 Prozent der Gesundheitszentren Burkina Fasos, einschliesslich der abgelegensten. Mehr als 3,5 Millionen Kinder wurden bisher mit Unterstützung der IeDA behandelt. Balguissa, die Mutter eines kleinen Kindes, die sieben Kilometer entfernt lebt, besucht das Gesundheitszentren obwohl es ein langer Weg zu Fuss ist. «Früher benutzte der Arzt Papier während der Konsultation, aber jetzt benutzt er die Maschine. Diese neue Methode ist schneller», erklärt sie. «Ich komme in dieses Zentrum, weil die Qualität der Betreuung gut ist, die Behandlungen wirksam sind und die PatientInnen zufrieden sind.»

IeDA während der Covid-19-Pandemie

Um IeDA an die aktuelle Covid-19-Situation anzupassen, haben wir eine Version mit einem zusätzlichen Fragebogen geschaffen, um PatientInnen mit Symptomen zu erkennen und zu isolieren, um so die Ausbreitung der Infektion zu verhindern. Balguissa kam heute Morgen ins Gesundheitszentrum, da ihr Kind an Durchfall erkrankt war. Das Hilfsmittel erkannte, dass sie an keinen Covid-19-Symptomen litt. Sie konnte also ins Gesundheitszentrum zur Diagnose und Behandlung des Kindes. «Ich schätze die Massnahmen während der Covid-19-Situation», sagt sie. «Ich wurde gebeten, für eine Nachuntersuchung wiederzukommen. Nun bin ich beruhigt.»

Die digitale Gesundheit eröffnet viele neue Möglichkeiten. Die Einführung von IeDA für Kinderkrankheiten war erfolgreich dank der engen Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium, an das wir das Projekt übergeben werden. Wir haben zusätzlich Funktionen zur Erkennung und Behandlung von Unterernährung, Lungenentzündung und zur Mutterschaftsbetreuung integriert. IeDA wurde auch geografisch auf andere Länder in Westafrika und Asien ausgedehnt. Künstliche Intelligenz hilft bei der Vorhersage von Epidemien und die gesammelten Daten helfen politischen Entscheidungsträgern in Fragen der Gesundheitspolitik und informieren sie zu den Arzneimittelbeständen. Tdh wird in den nächsten Jahren weiterhin dank der digitalen Gesundheit die Betreuung von Kindern und ihren Müttern auf der ganzen Welt revolutionieren.

*Integrierte Behandlung von Kinderkrankheiten durch WHO und UNICEF

©Tdh/Ollivier Girard

Ein Blick in die Vergangenheit: Dies ist der 9. von 10 Artikeln über die Geschichte von Terre des hommes zu unserem 60-jährigen Jubiläum.

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In einem Interview gegenüber RTS vom 13. Februar 1968 bei seiner Rückkehr aus Vietnam hat Edmond Kaiser erklärt: «[…] Wir hätten nicht mehr das Recht, uns Menschen zu nennen und deren Verantwortung zu tragen, wenn wir in den Rang von Mittätern eintreten würden, die von diesem unendlichen Schmerz wissen und entscheiden, nichts zu tun

Während eine wachsende Zahl von Kindern heute unter besseren Bedingungen lebt, haben mehrere Millionen Kinder immer noch Bedarf an Unterstützung und Schutz. Anlässlich unseres 60-jährigen Jubiläums haben wir eine Kampagne auf MyTdh, unserer Online-Spendenplattform, gestartet. Ziel ist es, in einem Jahr 60'000 Franken zu sammeln.

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Bildnachweis: © Tdh. Die Originale der Archivbilder stammen aus dem Bestand Fonds PP 1053, Stiftung Terre des hommes, des Waadtländer Kantonsarchivs (ACV).