25.09.2019 - Nachrichten

Griechenland: Jugendliche durch Sport vereinen

Dieses Jahr findet die fünfte europäische Woche des Sports statt. 2019 bringt gleichzeitig eine Erfolgsgeschichte mit sich: nach einem langen legalen Kampf für Papiere hat der erste Flüchtling in Griechenland die offizielle Genehmigung erhalten, um professionell Fussball spielen zu können. Mehr als 30’000 junge Flüchtlinge kämpfen jedoch nach wie vor; sie sind von ihren Angehörigen getrennt und erhalten kaum Unterstützung. Mangelnder Zugang zu Bildung und Gesundheitsdiensten, keine Zukunftsperspektiven und frühere traumatische Erfahrungen beeinträchtigten ihr Wohlergehen. Terre des hommes (Tdh) benutzt die Kraft des Sports in einem geschützten Umfeld, um Verletzbarkeit in Stärke umzuwandeln.

«Wenn jungen Menschen sinnvolle Teilnahmemöglichkeiten geboten werden, haben sie die unglaubliche Fähigkeit, ihre Energie und Kreativität zu nutzen und positive Veränderungen in ihrem Leben und ihrer Gemeinschaft zu bewirken», erklärt Maria Bray, unsere Kinderschutzexpertin. In Thessaloniki, einem Hafen in Griechenland wo viele Flüchtlinge aus Asien und Afrika leben, führt Tdh ein Fussballprojekt durch, welches die soziale Einbindung und das emotionale Wohlbefinden von jungen Flüchtlingen fördert. Durch die Aktivitäten können sie Freunde treffen und Lebenskompetenzen erlernen. Tdh kümmert sich auch um die am meisten gefährdeten Kinder und Jugendlichen. Wir vermitteln ihnen Wissen über ihre Rechte und über verfügbare Dienste, die für sie zur Verfügung stehen; falls nötig verweisen wir sie an Schutz-, physische sowie mentale Gesundheitsdienste.

Forschungen haben gezeigt, dass Lernen durch die Erfahrung im Sport das Selbstbewusstsein und das Vertrauen erhöht, sowie die Fähigkeit, Verantwortung für das eigenen Leben zu übernehmen. Obwohl Sport ein sehr gutes Mittel für die Unterhaltung und psychosoziale Unterstützung für Flüchtlingskinder und Jugendliche ist; kann Sport auch zu einer belastenden Erfahrung werden, wenn keine Schutzmassnahmen vorgesehen sind. Maria Bray sagt: «Unsere Priorität ist, dass Sport für Kinder sicher ist. Trotz der anerkannten Vorteile von Sport, birgt das Sporttraining Risiken, welche langfristige Auswirkungen auf Kinder und jugendliche Athleten haben können. Terre des hommes schützt Kinder in Sportumgebungen, indem wir ein positives und sicheres Umfeld beim Sport zur Verfügung stellen

Wir bilden FussballtrainerInnen zum Thema Kinderschutz aus. Wir zeigen ihnen, wie sie kommunizieren sollen, wie sie Gleichheit und Gerechtigkeit fördern und Verhaltensindikatoren erkennen, die auf mögliche Probleme hinweisen. Sie lernen auch, wie die Beziehungen unter den jungen Teilnehmern verbessert werden können. Dadurch können Belästigungen, Konflikte zwischen den jungen Menschen, psychologisches Fehlverhalten und Burnouts verhindert werden.

TrainerInnen beziehen die Kinder und Jugendlichen mit ein, um Kommunikation, emotionales Management, kreatives Denken und Verantwortung im Fussball zu fördern, indem sie diese Fähigkeiten zugleich mit Situationen im richtigen Leben verbinden. Ein sicherer Ort, wo sich junge Menschen ausrücken können, gibt ihnen die Möglichkeit, ihr Leben verändern und sich gegenseitig vor möglichen Risiken zu schützen. «Fussball erlaubt mir für einmal nicht an meine eigene Situation zu denken und der Trainer unterstützt uns wo immer es geht; die Fussballtrainings zeigen mir, dass man solange weitermachen muss bis man eine Lösung gefunden hat», sagt der 19-jährige Amir*, welcher professionell Fussball gespielt hat bis er aus seinem Heimatland Irak wegen dem Krieg fliehen musste. Mit der Zeit wird das Team zur Unterstützung und die TeilnehmerInnen festigen ihre Verbundenheit durch Trainings und Gedanken darüber, wie die Fähigkeiten, die sie durch Fussball gewonnen haben, in ihrem Leben angewandt werden können. Amir hat auch an unserem ‘Fussball für alle’-Event teilgenommen, welcher 24 verschiedene Nationalitäten zusammenbrachte. Er fügt hinzu: «Dort sind so viele verschiedene Nationalitäten, dass man sich wieder lebendig fühlt, man fühlt, dass immer noch Hoffnung besteht.»

*Der Name wurde zum Schutz der Privatsphäre geändert

Bildnachweis: ©Tdh