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28.01.2020 - Nachrichten

Kinder, nicht Terroristen! Rückführung von Kindern, die mit dem IS gelebt haben

Rund 4640 Kinder haben sich allein oder mit ihrer Familie in den Irak oder nach Syrien aufgemacht, um sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) anzuschliessen. Seit dem Niedergang der Terrormiliz leben viele von ihnen in Vertriebenenlagern unter erbärmlichen Bedingungen. Sie waren nicht nur Opfer von gewaltsamer Rekrutierung und Menschenhandel, sie haben auch extreme Gewalt und Indoktrinierung erlebt. Wir fordern staatliche Behörden dazu auf, die Rechte dieser Kinder umgehend sicherzustellen.

Vor und nach der Ausrufung des Kalifats des so genannten islamischen Staates im Jahr 2014 reisten Menschen aus über 80 Ländern in den Irak und nach Syrien, um sich der Terrororganisation anzuschliessen. Widerwillig oder rekrutiert wurden Kinder benutzt, um Waffen zu tragen, strategische Posten zu bewachen, Zivilisten zu verhaften und sie wurden darüber hinaus auch Opfer von sexueller Gewalt, Zwangsehen und wurden als Selbstmordattentäter missbraucht.

Mit dem Ende des IS ist das Grauen für sie aber noch nicht zu Ende: Im nordsyrischen Flüchtlingscamp Al-Hol, wo die meisten Vertriebenen aus den IS-Gebieten und Angehörige von IS-Kämpfern untergebracht sind, starben 371 Kinder letztes Jahr infolge der menschenunwürdigen Bedingungen.

Egal, welche Rolle diese Kinder gespielt haben, ob sie rekrutiert wurden oder ob ihre Eltern etwas mit dem IS zu tun hatten: Gemäss der Kinderrechtskonvention haben sie Rechte. Staaten, die das Zusatzprotokoll für Kinderrechte in bewaffneten Konflikten unterzeichnet haben, wie die Schweiz, sind verpflichtet, die von diesen Gruppen rekrutierten Kinder zu demobilisieren und sich um ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu kümmern.

Wir fordern alle Staaten dazu auf, ihrer internationalen Verantwortung für ihre Bürger nachzukommen und sie zurück nach Hause zu bringen, vor allem die Kinder. Staaten müssen ihre Wiedereingliederung erleichtern und dafür sorgen, dass sie sich von den Strapazen erholen können. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass Kinder nicht von ihren Eltern getrennt werden, so lange es ihrem Wohl dient, und dass diese nicht nur aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Terrormiliz kriminalisiert werden.

Erfahren Sie mehr über die Lage von Kindern, die mit bewaffneten Gruppen gelebt haben, über ihre Rechte und was Tdh und ihre Partner empfehlen: Lesen Sie unsere Stellungnahme «Die Kinderrechte als Ausgangspunkt für die Rückführung von IS-Kindern».

 

Bildnachweis: ©Tdh/François Struzik