09.04.2019 - Nachrichten

Living together: Die Jugend ändert den Migrationsdiskurs

Anfangs April wurde das zwölfte europäische Forum über die Rechte des Kindes durch die Europäische Kommission in Brüssel, Belgien, organisiert. Im Jahr des 30. Jubiläums der UN Konvention über die Rechte des Kindes war das Ziel des Forums, die Lage Europas in der Förderung und dem Schutz der Kinderrechte zu analysieren und die wesentlichen Herausforderungen zu erkennen. Rania Ali, eine junge syrische Journalistin, die in Österreich lebt, hat an diesem Anlass im Namen der von Terre des hommes (Tdh) unterstützten Living Together Initiative teilgenommen.

Sie haben soeben am wichtigsten europäischen Anlass für die Rechte des Kindes teilgenommen. Können Sie uns einige Highlights schildern?

Es war ein bedeutender Anlass, an dem über 280 Menschen teilnahmen. Mitglieder von europäischen Institutionen, Regierungsvertreter von EU Mitgliedstaaten, sowie wichtige Nichtregierungsorganisationen und andere Interessenvertreter waren anwesend. Meine persönlichen Highlights an diesem Zweitages-Forum waren das Treffen mit der EU-Kommissarin für Justiz, Konsumentenrechte und Geschlechtergleichstellung, Vera Jourova, und meine Teilnahme am Workshop “Schutz von Migrationskindern”. Während dem Treffen mit Vera Jourova haben wir über die Notwendigkeit einer Vertretung der Jugend bei solchen und ähnlichen Anlässen gesprochen und ihr das Hauptziel der Living Together Initiative näher gebracht: Die Erstellung eines Raums, in dem Jugendliche ihre Ansichten über inklusive Gesellschaften mitteilen können. Das andere Highlight war, die Living Together Initiative einem grösseren Publikum präsentieren zu können. Es war sehr motivierend zu sehen, wie sich die Menschen dafür interessierten. Dort wurde die Repräsentierung von jugendlichen Sans Papiers angesprochen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass unsere Initiative dieser Gruppe vermehrt gerecht wird.

Was ist Ihre Rolle bei der Living Together Initiative?

Tdh und ich haben diese Initiative Ende 2017 ins Leben gerufen. Als junge Journalistin und syrischer Flüchtling in Österreich fiel mir auf, dass die Stimme von Jugendlichen in den Medien und im öffentlichen Diskurs oft fehlt. Wie ist es überhaupt möglich, dass die Jugendlichen nicht bei Themen involviert sind, die sie am meisten betreffen? Diese Initiative soll bewirken, dass ihre Stimmen stärker und einflussreicher werden. Durch ihre eigenen Erfahrungen sind die Jugendlichen eine wertvolle Quelle von Informationen. Wir möchten bewirken, dass junge MigrantInnen mit Jugendlichen aus den Gastgeberländern in Verbindung stehen, um ihre Erfahrungen zu teilen und sich zu engagieren. Durch die Initiative treffen wir migrierende Jugendliche und solche aus den Gastgeberländern in ganz Europa, und sprechen mit ihnen über die Herausforderungen und Erfahrungen im Bereich Migration und Zusammenleben. Wir haben eine Online-Plattform eingerichtet, damit sie ihre Geschichten teilen können.

Wieso ist es so wichtig, die Meinungen und Geschichten junger Menschen zu verbreiten?

Etwas, was in all meinen Treffen mit jungen Menschen auftaucht, ist wie wenig ihre Stimme angehört wird und wie oft sie im öffentlichen Diskurs fehlt. Wenn sie sich äussern können, werden sie kaum beachtet und ihre Ideen selten umgesetzt. Aber heute mehr denn je haben Gesetze und Entscheidungen direkt Auswirkungen auf sie. Wir müssen uns stärker bemühen und den Stimmen der Jugend Gehör verschaffen. Sie können die Vorläufer des sozialen Wandels sein und den Diskurs der Migration wesentlich beeinflussen, damit sie die Kontrolle über ihre Zukunft wiedererlangen können.

Wie denkt die Jugend über kulturelle Vielfalt?

Unsere stets wachsende Gesellschaft von jungen Menschen ist motiviert, integrative Gesellschaften zu fördern. Sie sind sich einig, dass die negative Wahrnehmung der Migration aufgefangen werden soll, indem die echten Erfahrungen der jungen Generation geteilt werden. Es ist für Jugendliche oft schwierig, MigrantInnen zu treffen und ihre Erfahrungen auszutauschen, weil die europäische Gesellschaft heute oft versucht, die Jugend zu verteufeln und die Gruppen voneinander zu trennen. Die Jugendlichen sind überzeugt, dass die Living Together Initiative das Potential hat, dies zu ändern und die verschiedenen Gruppen zu vernetzen.

Wie können wir einen Beitrag leisten, um integrative Gesellschaften zu fördern?

Ich glaube ein wichtiger Weg ist, die Angst zu überwinden und bei jeder Gelegenheit für die Sache einzustehen, wie zum Beispiel im Gespräch mit Freunden und auf sozialen Netzwerken. All das wird mit der Zeit dazu betragen, den öffentlichen Diskurs zu ändern. Sich einzusetzen, um diejenigen, die in einem Land als “Fremde” betrachtet werden, besser kennen zu lernen, ist ein guter Anfang.

Rania Ali, syrische Journalistin, Mitgründerin von Living Together

 

Sehen Sie sich das Video an und unterstützen Sie die Living Together Initiative!