12.02.2019 - Nachrichten

Mission: Kinderherzen retten

Im Senegal werden tausend Kinder jährlich mit einem Herzfehler geboren. Da komplexe Operationen vor Ort noch eine Herausforderung darstellen, organisiert Terre des hommes (Tdh) Reisen eines Expertenteams vom Universitätsspital Waadt (CHUV), um Kindern das Leben zu retten. Das langfristige Ziel ist, durch die praktische Ausbildung vom Gesundheitspersonal eine lokale Betreuung zu ermöglichen.

Heute ist ein spezieller Tag für Khadidiatou. Nicht nur weil sie ihren sechsten Geburtstag feiert, sondern auch, weil sie morgen für eine Operation ins Spital gehen wird. „Ich habe ein bisschen Angst, aber freue mich auch“, vertraut uns das kleine Mädchen an. Das senegalesische Mädchen wurde mit einem Herzfehler geboren, wie eins von hundert Kindern weltweit. „Eine Herzkrankheit ist, wie wenn man die ganze Zeit vom Rennen atemlos wäre, in Wirklichkeit aber nichts tut“, erklärt Abdoulaye Mbaye, Chef des Tdh-Büros in Senegal. Ohne Operation wird sie das Erwachsenenalter wohl kaum erreichen.

Ein humanitärer Einsatz von Experten

Zwei Mal pro Jahr organisiert Tdh eine Reise des Universitätsspitals Waadt nach Senegal zur Wissensvermittlung. Ein aus verschiedenen medizinischen Experten zusammengesetztes Team führt jedes Mal etwa zehn komplexe Operationen und 150 Konsultationen für Kinder mit Herzfehlern durch. Die Spezialisten arbeiten eng mit dem Personal der pädiatrischen Herzklinik Cuomo des Spitals Fann in Dakar zusammen. Dieser Austausch trägt seit etwa zehn Jahren zur praktischen Weiterbildung senegalesischer Experten bei, die einfachere Herzfehler schon autonom behandeln können. Somit erhalten auch Kinder mit komplexen Herzkrankheiten Zugang zur Behandlung sowie Kinder aus Familien in finanziellen Schwierigkeiten, da die Operationen des CHUVs kostenlos durchgeführt werden.

Eigentlich ist Khadidiatous grösster Wunsch, Ärztin zu werden, doch heute hat sie einen weiteren: nach der Operation in die Schule gehen zu dürfen.

Eine lebensrettende Zusammenarbeit

Das Mädchen kommt zusammen mit seiner Mutter im Spital Fann vor ihrer Operation zur Kontrolle an und wird vom Ärzteteam empfangen. Nicole Sekarski, die Kardiologin des CHUVs sitzt im Konsultationsaal und schaut konzentriert auf den Bildschirm. Der Raum ist spärlich beleuchtet, um die Ultraschalle besser zu sehen. Die lokalen Kardiologen assistieren sie, um zu lernen, wie korrekte Diagnosen gestellt werden. Die Kardiologin analysiert die Ultraschalle und berät die bestmögliche Betreuung des kleinen Mädchens mit den Chirurgen und dem Pflegepersonal.

Mission du CHUV salle opératoire, opération du coeur d'enfant

Am nächsten Tag kommt der Anästhesist als Erster im Operationssaal an und schaut, dass Khadidiatou vor der Operation schläft. Der lokale Chirurg beginnt seine Arbeit. Das Kind erhält ein Medikament, damit die Herzschläge aufhören. Eine extrakorporale Herz-Lungen-Maschine, die dessen Funktion der Blutzirkulation und Sauerstoffzugabe übernimmt, erhält Khadidiatou während der Operation am Leben. Der lokale Chirurg operiert, bis die Angelegenheit zu komplex wird, dann übernimmt Tornike Sologashvili, der Chirurg der Universitätsspitäler Genf (HUG), der die Reise des CHUVs begleitet, sorgfältig: Vier fleissige Hände sind daran, dem schlafenden Kind das Leben zu retten. Die Operation wird in den Saal nebenan übertragen, wo mit den Chirurgen in Ausbildung jeder Schritt live mitverfolgt und erklärt wird.

Die Nachbetreuung verbessern

„Eine Operation des Herzens ist sehr komplex. Jeder Angestellte der Teams während und nach der Operation benötigt Expertise, um ein Kind am Leben zu erhalten“, erklärt Vivianne Amiet, Ärztin für Intensivmedizin des CHUVs. Tdh organisiert Weiterbildungen des Intensivpflegepersonals der pädiatrischen Herzklinik, um zusätzlich zur Operation auch eine qualitative Nachbetreuung von herzkranken Kindern zu gewährleisten.

Zurück im Operationsblock verläuft die Operation ohne Zwischenfälle. Die extrakorporale Herz-Lungenmaschine wird langsam abgesetzt und Blut kann wieder in das Organ strömen. Khadidiatous Herz fängt wieder an, zu schlagen. Das Mädchen wacht in der Intensivstation nach ihrer gelungenen Operation auf. Ihre Mutter ist schon an ihrer Seite, als es die Augen öffnet. Glücklich und erleichtert gibt sie ihr einen Kuss auf die Stirn.

Bildernachweis: ©Tdh/Ollivier Girard