Nothilfe Afghanistan
Kinder in Afghanistan brauchen Ihre Hilfe!  
12.05.2014 - Nachrichten

Wenn Arbeit gleich Ausbeutung ist

Was versteht man unter «Kinderarbeit»?

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) fallen unter den Begriff «Kinderarbeit» wirtschaftliche Tätigkeiten, die von Minderjährigen ausgeführt werden, die das gesetzliche Mindestalter noch nicht erreicht haben, sowie sogenannte «schlimmste Formen von Arbeit». Ein Kind, das nur ein paar Stunden pro Woche leichte, zulässige Arbeiten verrichtet oder das gesetzliche Mindestalter erreicht hat, wird also nicht dieser Kategorie zugeordnet.

«Kinderarbeit» umfasst auch «schlimmste Form von Arbeit». Darunter zu verstehen sind Tätigkeiten, die für die körperliche und geistige Gesundheit oder die sittliche Entwicklung des Kindes gefährlich sind. Eine übermässige Arbeitslast (sei es in Bezug auf die Dauer oder die Intensität der Arbeit) gilt ebenfalls als «schlimmste Form von Arbeit». Man geht davon aus, dass 85 Millionen Minderjährige unter solchen Bedingungen arbeiten.

Wer sind diese Kinder?

Wo arbeiten sie?

Die meisten Kinder sind in der Landwirtschaft tätig, hauptsächlich in kleinen Familienbetrieben. Meistens erhalten sie keinen Lohn und übernehmen Aufgaben, die sehr anstrengend und besonders gefährlich sein können.

Im Dienstleistungssektor sind ebenfalls eine Vielzahl Minderjähriger beschäftigt, hauptsächlich als Haushaltshilfen. Oft noch sehr junge Kinder führen in Haushalten alle Arten von beschwerlichen Arbeiten durch, dies während langer Stunden und in Kontakt mit gefährlichen Produkten. Nicht selten kommt es zu körperlichen, moralischen oder gar sexuellen Übergriffen, die Opfer sind häufig isoliert und haben die Schule abgebrochen. Es soll fast 17 Millionen Kinder geben, die in Haushalten arbeiten, zwei Drittel davon sind Mädchen und oft unter zehn Jahre alt.


Der Industriesektor ist etwas weniger betroffen, beutet aber auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl Kinder aus. Dies ist insbesondere in Goldminen und Steinbrüchen der Fall, wo unzählige kleine Hände gefährlichste Arbeiten verrichten, in engen Stollen, bei drückender Hitze und in Kontakt mit giftigen Substanzen. Mehrere Länder Südamerikas und Afrikas, wie Peru und Burkina Faso, sind von dieser schlimmsten Form von Arbeit betroffen.

Sexuelle Ausbeutung zu kommerziellen Zwecken

Die sexuelle Ausbeutung ist eine der schlimmsten Formen der Verwendung von Kindern zu wirtschaftlichen Zwecken. Es handelt sich um eine schwere, der Sklaverei vergleichbare Verletzung der Kinderrechte. Sie umfasst die Verwendung von Minderjährigen für sexuelle Tätigkeiten (gegen oder ohne Bezahlung), den Kinderhandel zu kommerziellen Zwecken, die Herstellung, die Bewerbung und den Vertrieb von Pornografie und die Verwendung von Kindern in erotischen Darbietungen.

Die Bekämpfung der sexuellen Ausbeutung ist ein wichtiger Teil des Schutzprogramms von Tdh. In Kolumbien beispielsweise trägt Tdh in Cartagena zur Einführung einer schnellen und effizienten Justiz bei, um die Fälle von Straffreiheit bei Sexualdelikten an Kindern zu reduzieren. Ausserdem werden Fortbildungszyklen für Akteure des Justizsystems, für Kinder und Gemeinwesenarbeiter angeboten.

Kindermigranten

Das Phänomen der Migration ist ein zentraler Punkt in der Bekämpfung der Ausbeutung von Kindern. Die Migration kann eine positive Erfahrung darstellen, die Kindern ermöglicht, ihre Lebensbedingungen zu verbessern und zuversichtlicher in die Zukunft zu blicken. Ein migrierendes Kinder ist aber auch besonders gefährdet, vor allem wenn es alleine, ohne Identität und Schutz unterwegs ist. Es ist dem Kinderhandel und Übergriffen (Gewalt, sexueller Missbrauch, Isolation) ausgesetzt, hat häufig keinen Zugang zur Grundversorgung (Gesundheit, Bildung) und sein Lohn ist oft sehr niedrig oder gar nicht vorhanden. Zudem lebt es in der Angst, bei den Behörden angezeigt zu werden, was seine Ohnmacht gegenüber den erlittenen Missbräuchen noch steigert.

Terre des hommes stellt das Thema Migration in den Mittelpunkt der Projekte zur Bekämpfung von Ausbeutung. So zum Beispiel in einem grenzüberschreitenden Projekt in Westafrika (Guinea, Mali, Burkina Faso, Togo, Benin, Nigeria), mit dem fast 15’000 Kindern während ihrer gesamten Migration – vom Ausgangsort bis zum Arbeitsplatz – geholfen werden soll.

Kinderarbeit ist kein unabwendbares Schicksal

Terre des hommes kämpft seit mehr als 50 Jahren gegen die Ausbeutung von Kindern durch Arbeit. Unsere Stiftung führt konkrete Aktionen durch, um mit rund zwanzig Projekten Kinder zu schützen und zu unterstützen, die in mehr als 15 Ländern Opfer von Ausbeutung werden.

In Abstützung auf ihre Felderfahrung hat unsere Stiftung einen pragmatischen Ansatz entwickelt. Dieser unterscheidet sich von Massnahmen, die allzu oft nur ein einfaches Verbot von Kinderarbeit fordern, nicht auf den Einzelfall und die diesem Phänomen zugrundeliegenden Ursachen eingehen, vor allem aber auch keine Lösungen anbieten, um der Familie bei der Suche nach einer alternativen Einkommensquelle zu helfen. Tdh entschied sich deshalb für einen Ansatz, der auf der Evaluation der effektiven Arbeitsbedingungen und dem höheren Interesse des Kindes basiert.

Kann die vom Kind ausgeübte Arbeit seiner körperlichen, psychischen oder moralischen Integrität schaden, hilft Tdh ihm diese Arbeit zu verlassen und sucht gemeinsam mit ihm nach einer Alternative, sei es durch eine Schul- oder eine Berufsausbildung.

Verletzt die ausgeübte Arbeit ein oder mehrere Grundrechte des Kindes, kann dem jedoch Einhalt geboten werden, liegt die Priorität darin, dies zu erreichen. Unsere Stiftung versucht die Lebensbedingungen von arbeitenden Kindern zu verbessern, indem mit ihnen, mit den Arbeitgebern und den staatlichen Stellen Lösungen gesucht werden. Das Kind muss akzeptable Arbeitsbedingungen, einen anständigen Lohn und Zugang zu Gesundheit, Bildung und Freizeitaktivitäten erhalten.

Wenn eine wirtschaftliche Aktivität dem Kind nicht schadet, sich günstig auf seine Entwicklung auswirken kann oder Teil einer Berufsausbildung ist und nicht gegen die Kinderrechte verstösst, muss das Kind unterstützt werden, damit es diese Aktivität unter den besten Bedingungen ausüben kann.

Mit Präventionsmassnahmen ist Tdh bereits im Vorfeld aktiv. Neben der Sensibilisierung der Bevölkerung für die Gefahren, denen sich ein Kind bei der Arbeit aussetzen kann, helfen wir Kindern, die arbeiten möchten, bei der Suche nach alternativen Lösungen und versuchen, ihren Eintritt in die Arbeitswelt hinauszuzögern, um das Risiko für Ausbeutung möglichst klein zu halten.

Tdh unterstützt schliesslich den Staat, um seine Politik zur Bekämpfung von Ausbeutung zu stärken. Es gilt namentlich, Gesetze und deren Implementierung zu verbessern und die Grundversorgung (Bildung, Sozialdienste, Gesundheitsdienste, Wohninfrastruktur, Freizeitzentren) effizienter zu machen. Dazu ist viel Lobbyarbeit bei den Staaten notwendig.

Dank innovativer Ansätze und konkreter, nachhaltiger Lösungen verbessert Tdh jedes Jahr das Leben von mehr als zwei Millionen Kindern und ihren Angehörigen. Helfen sie uns diese Kinder zu schützen – spenden sie jetzt.