07.10.2019 - Nachrichten

Wie viele Kinder sind weltweit inhaftiert?

Am 8. Oktober 2019 wurde die Globale Studie über den Freiheitsentzug von Kindern, ein Dokument von noch nie dagewesener Reichweite, auf der UNO-Generalversammlung vom unabhängigen Experten Manfred Nowak vorgestellt. Terre des hommes (Tdh) hat aktiv dazu beigetragen, die Meinungen von Kindern zu sammeln, die dann in den Bericht aufgenommen wurden.

Zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Kinder sind weltweit inhaftiert. Der Freiheitsentzug von Kindern hat langfristige negative Auswirkungen auf ihre Entwicklung und ihre Zukunft. Keine Art von Inhaftierung ist im besten Sinne eines Kindes. Hinter Gitter sind sie in isolierten und dunklen Orten eingesperrt. Dort werden oft ihre Rechte verletzt. Sie sind einem hohen Risiko von Gewalt, Vergewaltigung, sexuellen Übergriffen, Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe ausgesetzt. Manchmal werden sie sogar in Zellen mit Erwachsenen platziert; ein weiteres Recht, das somit verletzt wird.

Sicherstellen, dass die Stimmen der Kinder gehört werden

Kinder, die der Freiheit beraubt sind, bleiben vergessen. Ihre Stimmen gehen verloren, bevor sie and die Öffentlichkeit gelangen. Die UNO-Studie über den Freiheitsentzug von Kindern stellt diese harte und oft unsichtbare Realität ins Rampenlicht. Tdh erkannte die Studie als Gelegenheit, sicherzustellen, dass das Recht auf Anhörung der Kinder gewahrt bleibt und ihre Meinungen berücksichtigt werden. Zu diesem Zweck haben Tdh und wissenschaftliche Partner mehr als 270 Kinder aus 20 Ländern befragt, um ihre Meinung zu hören und ihnen eine Stimme zu geben. Die meisten von ihnen wurden schon über viele Jahre von unseren Aktivitäten für Kinder, die in Konflikt mit dem Gesetz geraten sind, unterstützt.

Die Kinder erzählen, dass ihre Rechte nicht geschützt sind, die Inhaftierung unter schlechten Bedingungen erfolgt, der Zugang zu Informationen verweigert wird und dass sie einen unzureichenden Zugang zu Gesundheitsversorgung und zu Bildungs- oder Freizeitangeboten haben. Viele von ihnen können kaum mit ihren Familien in Kontakt treten und finden es schwer, eine Unterstützung bei ihrer Wiedereingliederung zu finden. Sie berichten, dass sie darum kämpfen müssen, um bei Entscheidungen über sie angehört zu werden. Freiheitsberaubte Kinder erleben neben Diskriminierung, Stigmatisierung und Entmachtung auch Angst, Isolation, Trauma und fühlen sich verletzt. Aber sie lernen auch aus Erfahrungen und haben Hoffnung: Sie verweisen auf die Wichtigkeit von Freundschaften mit Gleichaltrigen und Erwachsenen, denen sie vertrauen können. Viele Kinder blicken positiv in eine Zukunft nach der Haft, wenn sie wieder mit ihren Familien und Freunden zusammen sein werden und ein Leben als unabhängige Menschen, die einen Beitrag an die Gemeinschaft leisten, führen können. Bildung und Kompetenzentwicklung ist für sie unentbehrlich, um ein besseres Leben erreichen zu können.

Kristen Hope, unsere Koordinatorin für Plädoyer und Forschung, erklärt: «Unser Fokus ist es, immer auf Kinder zu hören. Sie sind Experten ihrer eigenen Erfahrungen. Ihre Ansichten und Perspektiven sollten bei Entscheidungen über ihr Leben sowie bei der breiteren Politikgestaltung berücksichtigt werden. Deshalb arbeitet Tdh sowohl auf einer Mikro- als auch auf einer Makroebene, um sicherzustellen, dass das Recht aller Kinder gehört zu werden, erfüllt wird, insbesondere der am stärksten gefährdeten.»

Empfehlungen

Aus der Studie gehen unter anderem folgende Empfehlungen hervor:

- Staaten sollten die Inhaftierung von Kindern auf ein absolutes Minimum reduzieren und Alternativen zur Inhaftierung zur Verfügung stellen.

- Kinder sollten Zugang zu einer Justiz erhalten, die ihren Bedürfnissen entspricht.

- Kein Kind darf Folter, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe ausgesetzt sein.

- Jedes Kind muss mit Respekt behandelt werden und sollte die Möglichkeit haben, um mit seiner Familie in Kontakt treten zu können sowie rechtliche Unterstützung zu erhalten.

- Migration ist kein Grund, Kinder in Gewahrsam zu nehmen.

«Viele Menschen dachten, es sei unmöglich, Kinder sinnvoll und ethisch in eine globale Forschung dieser Grössenordnung einzubeziehen, aber wir haben es getan. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, die Stimmen der Kinder anzuhören, und erinnern uns daran, dass auch sie mit Unterstützung Akteure des Wandels sein können», fügt Kristen hinzu. Wir werden den Kampf für eine Welt fortsetzen, in der Kinder frei sind, und wir werden diese Welt zusammen mit Kindern aufbauen.

Lesen Sie den Bericht der UNO zum Freiheitsenzug von Kindern

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