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07.10.2019 - Pressemitteilungen

1,5 Millionen Kinder, die weltweit ihrer Freiheit beraubt sind

Zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Kinder sind weltweit ihrer Freiheit beraubt, so ein neuer UN-Bericht. Für diese Studie hat die Kinderhilfsorganisation Terre des hommes die Zeugnisse von 274 Kindern und Jugendlichen gesammelt. Die meisten von ihnen sind Opfer von Gewalt geworden. Der Text wird am 8. Oktober am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York und am 19. November 2019 im Palais des Nations in Genf vorgestellt.

Im Jahr 2016 beauftragte die UN-Generalversammlung einen unabhängigen Experten mit der Durchführung einer globalen Studie über Kinder, denen die Freiheit genommen wurde. Dieser Bericht ist der erste seiner Art. Es schliesst die Lücke des Datenmangels zur Inhaftierung von Kindern. Der Text wird am 8. Oktober am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York und am 18. November erneut in Genf anlässlich des 30. Jahrestages der Konvention über die Rechte des Kindes vorgestellt.

Die Studie schätzt, dass es weltweit zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Kinder gibt, die ihrer Freiheit beraubt sind, eine grosse Mehrheit davon Jungen. In Haft sind Kinder einem hohen Risiko von Gewalt, Vergewaltigung, sexueller Gewalt, Folter oder erniedrigender Behandlung ausgesetzt.

Verhängnisvolle Bedingungen

In den meisten Ländern entsprechen die Haftbedingungen für Kinder nicht den internationalen Standards. Oft teilen sie sich eine Zelle mit Erwachsenen. Es fehlt ihnen an Luft, Privatsphäre, Pflege und Aktivitäten. Die meisten leben traumatisiert in Angst und Isolation, wie Jamil, der mit 17 Jahren Marokko verliess und in Albanien verhaftet wurde. Er bezeugt. «Sie fesselten mich mit Handschellen und legten mir eine Kapuze über den Kopf. Im Gefängnis ist es ihnen egal, ob man stirbt. Ob du minderjährig bist oder nicht. Wenn sie dich schlecht behandeln, können sie dich mit ihrem Schlagstock töten. (....) Ich konnte die Leute schreien hören. Einmal wurde ich so hart geschlagen, dass ich mich am nächsten Tag nicht mehr bewegen konnte. »

Migrantenkinder in der Schweiz

Mehr als 330.000 Migrantenkinder werden jedes Jahr inhaftiert. Mindestens 77 Staaten sind betroffen, darunter die Schweiz, die das Übereinkommen über die Rechte des Kindes unterzeichnet hat. Der Bericht betont, dass die Inhaftierung aus migrationsbedingten Gründen niemals im besten Interesse des Kindes liegt, unabhängig davon, ob es von seinen Eltern begleitet wird oder nicht, und dass sie verboten werden sollte. Terre des hommes (Tdh) stimmt mit der UNO überein, dass die Schweiz alternativen Lösungen Vorrang einräumen und die Migration durch offenes und angemessenes Wohnen im Rahmen von Kinderschutzsystemen regeln muss.

Konflikte und gewalttätiger Extremismus

35.000 Kinder werden in bewaffneten Konflikten oder aus Gründen der nationalen Sicherheit ihrer Freiheit beraubt. Diese Zahl ist durch aggressive Anti-Terrorismus-Massnahmen, die es ermöglichen, Kinder für Online-Aktivitäten wie Facebook und Twitter zu verfolgen, stark gestiegen. Sie können auch von bewaffneten Gruppen zur Rekrutierung, zu sexuellen Ausbeutung, als Strafe oder als Verhandlungsgrundlage festgehalten werden.

Mindestens 16 Länder in Konfliktsituationen halten Kinder fest, von denen einige gefoltert werden. Die Haftbedingungen sind oft durch extreme Überbelegung und einen dramatischen Mangel an Hygiene, Nahrung und Pflege gekennzeichnet. In mehreren Ländern sind Kinder in Haft aufgrund von katastrophalen Bedingungen oder durch Misshandlung gestorben. Im Irak arbeitet Tdh seit diesem Jahr mit Justiz- und Sozialakteuren zusammen, um die Situation von inhaftierten Kindern zu verbessern.

Posttraumatische Störungen

Der Freiheitsentzug hat Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit von Kindern. Viele von ihnen leiden unter posttraumatischen Stressstörungen, insbesondere wenn sie isoliert sind. Missbrauch während der Haft führt zu psychischen und kognitiven Gesundheitsproblemen wie Angstzuständen, Depressionen, Entwicklungsverzögerungen und sogar Sprachregressionen. In einigen Fällen haben sich die vor der Inhaftierung vorhandenen psychiatrischen Störungen nach der Inhaftierung verzehnfacht. Es besteht ein Zusammenhang zwischen Freiheitsentzug und frühzeitigem Tod von Kindern, meist als Folge von Überdosis, Selbstmord, Verletzung und Gewalt.

Besorgte Kinder

Artikel 12 der Konvention garantiert den Kindern das Recht, ihre Meinung zu äussern. Für die Zwecke der Umfrage koordinierte Tdh die Aussagen von 274 Kindern und Jugendlichen. Diese Interviews zeigen immenses Leid. Kinder sind besorgt über das Fehlen geeigneter Verfahren, fehlende Informationen, Haftbedingungen und mangelnden Kontakt zu ihren Familien. Die Kinder teilten auch Erfahrungen mit Resilienz und Hoffnung: Über die Haft hinaus hoffen sie, sich mit ihren Familien und Freunden wieder zu vereinen, ein unabhängiges Leben zu führen und ihre Gemeinschaften zu unterstützen.

«Kinder, denen die Freiheit genommen wurde, bleiben unsichtbar und vergessen. Jedes Kind, auch wenn es ein Verbrechen begangen hat, hat das Recht, seinen Standpunkt darzulegen. Und wir haben die Pflicht, uns das anzuhören. Dieses Zuhören ist unerlässlich, denn das Kind ist sowohl ein Experte seiner eigenen Erfahrung als auch ein Agent des Wandels», erklärt Kristen Hope, verantwortlich für Plädoyer und Forschung bei Tdh.

 

Die UNO empfiehlt den Staaten, die Konvention über die Rechte des Kindes mit äusserster Sorgfalt anzuwenden. Sie verlangt, dass der Entzug der Kinderfreiheit als eine aussergewöhnliche Massnahme der letzten Instanz angesehen wird. Tdh fordert alle Staaten, insbesondere die Schweiz, auf, die in der Studie dokumentierten Good Practices zu konsultieren und anzuwerden.

 

Für weitere Informationen: "Global study on children deprived of liberty", UNO, Juli 2019

©Tdh/Mélanie Rouiller